Unschuldiges Weiß

Das allbekannte, unschuldige Weiß. Die strahlende jungfräuliche Braut, das verspielte Mädchen im Sommerkleidchen. Es ist nicht die Modemaschinerie, die den Farben ihren Ruf verleiht, doch seit eh und je spielt sie mit den vielen Bedeutungen, die wir ihnen zuschreiben. In unseren Kulturkreisen weckt die Farbe Weiß Assoziationen von Unschuld, Licht, Frische, Neuanfang, Kirche. Im Bereich der Kleidung allen voran das Brautkleid, das gegenständliche Synonym für die Bedeutung der neutralsten aller Farben. Auch Neutralität verbinden wir mit dem Ton; das unbeschriebene weiße Blatt. Doch das möchte die Welt der Mode jetzt ändern.

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Was letzten Sommer bereits begonnen hat, geht jetzt in die zweite Runde: Die Catwalks sowie Stars und Sternchen glänzen im neuen Trendton. Marylin Monroe hat vielleicht als erste das weiße Kleid in sexy Szene gesetzt, wer kennt nicht das Bild der koketten Schönheit über dem Lüftungsschacht in dem Film „Das verflixte siebte Jahr“. Immer Eleganz und Sexappeal im Sinn, beschenken uns die Designer dieses Jahr mit jedem denkbaren Kleidungsstück in Weiß. Es sind nicht mehr nur die zugeknöpften Kragen und Tenniskleider, nein, jetzt bekommen wir alles in der ursprünglichen Farbe der Unschuld.

Neben den anderen Trends der Musterverdrängung und der klaren Farben reiht sich das Weiß mit all seiner Pracht und Schlichtheit ein und erfindet sich neu. Nichts da mit dem scheinheiligen Wimperngeklimper, Weiß ist das neue Schwarz. Es verkörpert nicht nur den Glamour und die Zurückgenommenheit, es kann auch so sexy und verdorben sein wie nie zuvor. Frauen in Korea ziehen Weiß zur Beerdigung an, wir zur Hochzeit? Das ist vorbei. Die Farbe wird aus ihrem kirchlichen Kontext geholt und entfaltet sich nun in all ihren Fassetten. Viel zu lange haben wir sie unterschätzt, nicht gewürdigt, wie viel in ihr steckt. Also pirscht in die Läden, zeigen wir der Welt, was in der farbloseste aller Farben alles drin steckt.